Day: February 3, 2026

Der Tag der Ehre und der Nationalsozialismus

Der sogenannte Tag der Ehre (ungarisch Becsület napja) findet jährlich im Februar statt. Er ist ein Gedenktag von Rechtsextremen und Neonazis, welcher in Budapest stattfindet.

Doch was ist der geschichtliche Hintergrund vom Tag?

Der Name bezieht sich auf den gescheiterten Ausbruchsversuch deutscher Wehrmacht- und Waffen-SS-Einheiten sowie ihrer ungarischen Kollaborateur*innen aus der belagerten ungarischen Hauptstadt im Jahr 1945. Die Schlacht um Budapest war eine der blutigsten und längsten Belagerungsschlachten des Zweiten Weltkriegs und dauerte vom 29. Oktober 1944 bis zum 13. Februar 1945.

Hitler hatte Budapest am 1. Dezember 1944 zur “Festung” erklärt und befahl, die Stadt bis zur letzten Person zu verteidigen, ohne Rücksicht auf zivile Verluste. Erst als offensichtlich war, dass die Reste der “Festung Buda” kurz vor dem Fall standen, wurde von der Naziführung der Befehl zum Ausbruch aus dem Kessel erteilt. Von den 25.000 bis 28.000 Ausbrechenden wurden 17.000 innerhalb von sechs Stunden getötet, die meisten schon in den ersten Stunden. Nur etwa 600 bis 800 deutsche und ungarische Soldat*innen und Zivilist*innen erreichten bis zum 13. Februar die deutschen Linien.

Nach der deutschen Besetzung Ungarns am 19. März 1944 wurden systematisch Massnahmen zur Deportation der ungarischen Juden*Jüdinnen eingeleitet. Zwischen dem 15. Mai und 9. Juli 1944 wurden etwa 430.000 bis 440.000 ungarische Juden*Jüdinnen mit 147 Zügen deportiert, die meisten nach Auschwitz-Birkenau, wo etwa 80 Prozent unmittelbar nach der Ankunft in Gaskammern ermordet wurden. Diese Massendeportation war die grösste Shoah-Tötungsaktion nach 1942 und fand statt, als der 2. Weltkrieg sich bereits seinem Ende zuneigte und die Weltöffentlichkeit längst von den Gaskammern wusste. Zudem wurdenw Während der “Verteidigung” Budapests Zehntausende Jüdinnen*Juden von den unga-rischen Faschisten ermordet und in die Donau geworfen .

Darüber wird bei den Veranstaltenden des Tag der Ehre geschwiegen. Stattdessen wird der Kampf gegen die Rote Armee als Verteidigung “Europas” gegen die “kommunistische, jüdische, asiatische oder barbarische Bedrohung” umgedeutet. Auch der Name “Tag der Ehre” erinnert an den Waffen-SS-Slogan “Meine Ehre heisst Treue”. Der Tag präsentiert also die Nazi-Streitkräfte und ihre ungarischen Verbündeten als ”Verteidiger und Helden”, obwohl sie in Wirklichkeit Teil der Achsenmächte und somit während des Zweiten Weltkriegs die Aggressor*innen waren.

Der Tag der Ehre in der heutigen Form ist mehr als nur ein Tag. Es ist vielmehr eine Reihe an verschiedenen Events. Nebst Konzerten, Gedenkveranstaltungen und Workshops ist der Schwerpunkt eine 60 Kilometer lange Wanderung entlang den Wegen vom Ausbruchsversuch.

Dabei wird ein Stempelbuch mitgeführt und bei jeder Etappe erhalten Teilnehmende einen Stempel mit faschistischen Symbolen, wie dem Hackenkreuz, schwarze Sonnen, Reichsadler, SS-Zeichen etc. Zusätzlich gibt es eine Bestenliste, für die schnellsten Wanderer*innen.

Der Tag der Ehre ist somit relevant um den Rechtsrutsch in Europa und das ganze Ausmass der Vernetzung der rechtsextremen Szene besser zu verstehen. In den 2010er Jahren, parallel zum Aufstieg der Fidesz-Regierung unter Viktor Orbán, veränderte sich die Narrative der Veranstaltung. Während die expliziten Neonazis weiterhin SS-Runen und Hakenkreuze zeigten, übernahmen moderatere rechte Gruppen Begriffe wie „Verteidiger der christlichen Kultur“ und „Wächter Europas“. Diese Rhetorik schuf eine ideologische Brücke zwischen der extremen Rechten und dem staatlichen Diskurs über die Verteidigung der nationalen Souveränität gegen äussere Mächte (sei es Brüssel oder der „Bolschewismus“ der Vergangenheit).

Am “Tag der Ehre” geht es in Budapest also einzig darum die Zeit des Nationalsozialismus zu verherrlichen und möglichst vielen Rechten und Rechtsextremen zugänglich zu machen. Er gehört zu den grössten Veranstaltungen der rechtsextremen Szene in Europa. Diese reisen mittlerweile aus ganz Europa an, wie beispielsweise aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Bulgarien, Tschechien, Polen und vielen anderen Ländern. Bekannte rechtsextreme Gruppen wie Legio Hungaria (Ungarn), Blood and Honour (international), Combat 18, Hmmaerskins, Die Rechte (Deutschland), Der III. Weg (Deutschland) und Weitere, sowie diverse kleinere informelle Gruppen gehören zu den jährlichen Teilnehmenden.